Goethes Leben folgt nicht den selben Gesetzen wie die meisten Biographien. Dass es „symbolisch“ zu verstehen ist bedeutet, dass sich in ihm geistige Vorgänge abspiegeln. Dies wurde ihm selbst bereits 1777 bewusst, wie er in einem Brief an Charlotte von Stein schreibt.

Und Rudolf Steiner deutet das Geheimnis von Goethes Biographie an, indem er sagt:

Bei gewissen Schülern von Eingeweihten wäre es die größte Sünde gewesen, gegenüber einer Persönlichkeit, von der man erkannt hatte, daß sie durch höhere Glieder der menschlichen Natur Bedeutung hatte, eine Biographie im landläufigen Sinn zu schreiben, die nur auf das gewöhnliche alltägliche Verhältnis Rücksicht nimmt. Wer noch ein wenig nur sich etwas bewahrt hat von der Gesinnung jener alten Zeiten, findet es höchst absurd, was heute meinetwillen an Goethe-Biographien geschrieben wird. (GA 142, Die Bhagavad-Gita und die Paulusbriefe)

„Offenbare Geheimnisse“ gibt es also auch in Goethes Lebens selbst. Viele seiner Werke haben autobiographische Züge.

In seinen autobiographischen Berichten schildert Goethe Ereignisse aus seinem Leben. Doch gerade diese können weit mehr offenbaren, als zunächst scheint, wenn man versteht, dass Goethes Leben selbst in bildhafter Form geistige Inhalte offenbart. Sie sind dann nicht mehr nur äußerliche Beschreibungen oder z.B. Reiseberichte sondern Zeugnisse geistiger Wege und Entwicklungen.

Dies wurde mir zunächst anhand seiner „Italienischen Reise“ deutlich.

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